TEAM IG HEIMATFORSCHUNG RHEINLAND-PFALZ


Erik Wieman

 

 

Als gebürtiger Niederländer (49) bin ich 1992 der Liebe wegen nach Deutschland gekommen und mittlerweile sind wir 25 Jahre verheiratet. Wir haben zwei Kinder. Ich arbeite bei BASF SE in Ludwigshafen, als Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Zusammen mit Peter Berkel habe  ich  Anfang 2016 die IG Heimatforschung Rheinland-Pfalz gegründet.

 

Archäologie hat mich, fast genauso wie das Militär, immer fasziniert. Obwohl ich damals beruflich, ab dem 17. Lebensjahr, die Seite des Militärs vorgezogen habe, hat mein Interesse für die Archaeologie nie nachgelassen. Ich bin seit meiner Kindheit, seit ca. 1982 mit einer Metallsonde, auf der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit. An Hobbys, neben Geschichte und Archäologie, mangelt es mir nicht. Aus meinem ehemaligen Beruf und Spezialisierungen beim Militär habe ich sozusagen mein(e) Hobby(s) gemacht. Ich laufe gerne und weit (Marathon und Distanzmärsche), bin Taucher, Fallschirmspringer und Reservist.

Incl. my years in W-Coy/45 Commando RM, UK-NL-Landing Force


Damals in den Niederlanden arbeitete ich schon mit Archäologen zusammen, denn ich bin der Meinung, die Suche mit einem Metallsuchgerät nach Artefakten aus der Vergangenheit kann man nur in Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde verantwortungsvoll ausüben. Über die Jahre habe ich Einiges gefunden. Von steinzeitlichen, bronzezeitlichen, keltischen, römischen, mittelalterlichen oder neuzeitlichen Funden auf dem europäischen Festland bis hinzu Bürgerkriegssrelikten auf dem US-amerikanischen Festland, als ich, während meiner Militärzeit, bei der niederländischen Botschaft in Washington D.C. (natürlich mit Metalldetektor im Gepäck) tätig war. Das Wichtigste ist das Suchen und Finden. Nicht das Behalten. Denn bestimmte Funde sind am besten in einem Museum aufgehoben oder müssen Wissenschaftlern überlassen werden. Es macht mir Spaß, mich mit Geschichte zu beschäftigen und es freut mich, wenn ich z.B. zu neuen Erkenntnissen etwas beitragen kann. Was mich am meisten interessiert, sind  die  Geschichten hinter den Funden. Das macht ein Fund erst "wert-

voll“, historisch wertvoll. Die enge Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde ist für die IG Heimatforschung eine der tragenden Säulen unserer Interessengemeinschaft. Bei Bodeneingriffen der IG wird jeder Schritt mit den zuständigen Archäologen, sonstigen Behörden und Eigentümern/Pächtern, etc. vorher abgestimmt. Alle Mitglieder der IG Heimatforschung, die mit Metallsonde forschen, sind ehrenamtliche Mitarbeiter der Denkmalbehörde (man muss also zuerst dort vorstellig werden), und es muss für das bestimmte Gebiet eine NFG/Nachforschungsgenehmigung vorliegen. Ohne Nachforschungsgenehmigung, die immer personenbezogen ist, wird nicht sondiert.

 

Als die ersten Flugzeugteile aus dem 2. WK auftauchten und ich anfing, mich mit den Hintergründen der Abstürze zu befassen, kamen die Geschichten und Schicksale näher. Außerdem leben meist noch Verwandte der damals gefallenen Soldaten, die oft kaum etwas über das, was damals passiert ist wissen. Und wo. Obwohl der Fund z.B. von einer römischen Münze  gleichwertig faszinierend ist, kann man diese neuzeitlichen Flugzeugteile bzw. Absturzstellensuche oder Vermisstenforschung im allgemeinen auch mit aktuellen Schicksalen und Personen verbinden. Der Unterschied ist, man kann hier noch etwas für die Nachfahren tun.

Als ehemaliger Berufssoldat weiß ich, dass die Familien, Frauen, Kinder von umgekommenen Kameraden meistens alles wissen wollen über das, was in den letzten Minuten ihres (gewaltsam) verstorbenen Familienmitgliedes passiert ist. Das ist heute so und war im 2. WK und davor nicht anders. Da reicht es, wenn ein Kind ein kleines Stück Flugzeugaluminium von dem Flugzeug bekommt, mit dem sein Vater abgestürzt ist. Dieses kleine, für die meisten unscheinbare Stück Aluminium, hat für die Angehörigen einen großen „Wert“. Wenn ich nach über siebzig Jahren jemandem eine Freude  machen kann, indem ich eine Absturzstelle z.B von einem Vater finde (die Tochter eines getöteten Bombenschützen, 1943 abgestürzt, beschrieb es als ein „unerwartetes Weihnachtsgeschenk“, was die Bedeutung des Fundes zeigt), Informationen, gar persönliche Gegenstände überreichen kann, dann verfolge ich das aktiv bis ich fündig werde, auch wenn ich tagelang im Wald oder Feld herumlaufen muss.  Ich suche und finde eben gerne. Die aktive Verbindung von damals zu Nachfahren von heute motiviert noch zusätzlich. Außerdem hat man, da viele bereits im hohen Alter sind, oft nicht mehr viel Zeit.   Viele Stellen, an  denen  wir heute  achtlos vorbei laufen, haben eine sehr interessante Geschichte. Und es stecken die verschiedensten Schicksale dahinter. Vergessene Schicksale, vergessene Menschen. Vergessen, bis wir die Stelle finden.

 

Zeitzeugen, die es uns noch erzählen können, sterben aus. Schicksalhafte Stellen gehen so verloren. Das wollen wir ändern. Indem wir Zeitzeugen befragen, diese vergessenen Stellen suchen, die Schicksale und Namen bekannt machen und die Geschichte vor dem Vergessen bewahren, indem wir eine Plaquette oder ein Gedenkstein realisieren. Vor allem dort, wo Menschen gestorben sind. Eine Stelle für die Nachfahren, eine Stelle für zukünftige Generationen, eine Stelle gegen das Vergessen und eine Stelle zum Nachdenken.


Peter Berkel

 

 

Ich bin Peter Berkel und wohnhaft in Schifferstadt. Am 15.02.1983 in Speyer geboren und arbeite als Chemielaborant in Ludwigshafen bei der BASF.
Geschichte in jeder Art hat mich schon immer interessiert. Als ich im Sommer 2013 ein Gedenkkreuz eines abgestürzten Jagdfliegers auf Schifferstadter Gemarkung fand, war mein Interesse geweckt. Dieser Absturz eines unbekannten deutschen Piloten hat mich  dazu bewegt Nachforschung anzustreben! Diese Suche hat mich bis heute nicht mehr losgelassen. Durch dieses Interesse habe ich mit Erik Wieman im Frühjahr des Jahres 2016 die IG Heimatforschung gegründet. Wir wollen das Vergessene wieder greifbar machen und wollen dafür sorgen das es nicht wieder vergessen wird.
Das Errichten eines Gedenkstein ist der erste Schritt für nachfolgende Generationen wie aber auch für die Familien eine Stelle zu haben wo man sich Erinnern und trauen kann! Neben der Flugzeugsuche sind Erik und ich auch ehrenamtlich für das Denkmalamt tätig.

Richard Braun, Orts-/Luftkriegshistoriker

 

 

Mein Name ist Richard Ferdinand Braun. Geboren wurde ich am 01.09.1929 in Ludwigshafen am Rhein. Seitdem wohne ich in Mundenheim. Ich war Exportleiter bei BASF SE. Ich bin ehrenamtliches Mitglied und Berater der Interessengemeinschaft Heimatforschung Rheinland-Pfalz.

 

Schon früh wurde mein Interesse an der Fliegerei durch meinen Großvater, Ferdinand Hick, geweckt. Durch ihn war ich 1935 zum ersten Mal bei einem Rundflug vom Flugplatz Mannheim-Neuostheim in der Luft. Dieses Interesse setzte sich während des 2. Weltkriegs verstärkt fort, wobei meine Vorliebe den englischen und amerikanischen Maschinen galt (und noch heute Bestand hat). Als Folge davon war, dass ich mehrere Absturzstellen, besonders in unserem Raum, besuchte.

 

Diese Kenntnisse helfen mir jetzt, Herrn Erik Wieman jene Stellen zu zeigen und zu erforschen. Einige davon habe ich selbst schon ausführlich und detailliert recherchiert und dokumentiert, wobei mir mein gutes Langzeitgedächtnis und meine guten Englischkenntnisse zu Gute kommen.


Heiko Peimann

 

Ich bin 43 Jahre alt, ehemaliger Zeitsoldat der Bundeswehr (Reservist) und ich arbeite bei einem großen privaten Sicherheitsunternehmen. Es ist für mich äußerst interessant, sich mit der Geschichte so tastbar zu beschäftigen, vergessene Stellen und Schicksale zu klären und herauszufinden, wo ein verschollenes Flugzeug abgestürzt ist. Eine Stelle zu finden, die sonst eigentlich vergessen ist oder wird.  Aber noch wichtiger ist es, die Geschichte der Menschen dahinter zu klären. Damit die Familien abschließen können. Der Familie sagen zu können, wo die Väter, Opas, Onkel verblieben sind und/oder was damals genau passiert ist. Das ist das, was wirklich zählt. Dies gemeinsam mit meinen Freunden hier im Team zu erforschen, tue ich nicht nur sehr gerne, es ist mir ein besonderes Anliegen. 


Christian Matthes

 

Als 37 jähriger Reservist der Bundeswehr hatte ich schon immer ein Faible für Vergangenes in jeglicher Form. Begonnen hat alles mit dem Geschichtsunterricht und dem regelmäßigen Besuch historischer Stätten. Die Faszination für Geschichte in unserem Raum hat mich bereits früh erfasst. Sei es römische Besiedlung in unserem Kreis über den pfälzischen Erbfolgekrieg bis hin zum 2ten Weltkrieg. Schicksale, Erfahrungen und wissenschaftliche Zusammenhänge sind für mich fundamentale Bestandteile von lebendiger Archäologie. Ich möchte meinen Beitrag in diesem wunderbaren Team leisten um Vergessenes wieder zu entdecken und Menschen zu helfen ungewisse Schicksale der Vergangenheit zu klären.


Tina Wollenschneider

 

Ich war 4 Jahre Zeitsoldatin bei der Bundeswehr und 2001 eine der ersten Frauen bei den Fallschirmjägern. Mittlerweile arbeite ich beim Werkschutz der BASF in Ludwigshafen, habe in diesem Bereich meinen Meister und Bachelor gemacht. In meiner Freizeit  bin ich bei der Reserve tätig (BW). Auf positive Weise „vorbelastet“ durch meinen Vater, ein pensionierter Lehrer für Geschichte, Gemeinschaftskunde und Deutsch, dazu Stadthistoriker, hat mich Geschichte in unserem Raum schon immer sehr interessiert und fasziniert.

 

Von meinen Großvater, Günther Halm, der damals als jüngster Ritterkreuzträger des deutschen Afrika Korps unter Rommel ausgezeichnet wurde, hörte ich viele Geschichten über die prägende Zeit des 2. Weltkrieges.

 

Auch mir liegt es sehr am Herzen, Familien helfen zu können, den Verbleib ihrer Vorfahren aufzuklären, damit sie abschließen können.

 

Wenn man dann noch ungeklärte Schicksale klären, oder beispielsweise noch lebende Besatzungsmitglieder eines abgestürzten Flugzeuges oder Nachfahren ausfindig machen kann und ihnen zB. ein Andenken an diese Zeit überreichen und dazu umfangreich informieren kann, ist es natürlich umso schöner. Die Emotionen, die hier teilweise aufkommen, sind nicht zu beschreiben.

 

„Geschichte zum Anfassen“, so kann man das treffend umschreiben. Unsere Tätigkeit dient auch dem guten Zweck, ein Stück Geschichte zurück zu bringen und für weitere Generationen zu erhalten.   

 

Mein Hobby Geocaching, dazu das Erkunden vergessener Orte und das Wissen über die örtliche Geschichte, möchte ich zu Hilfe nehmen, die Fundorte, deren Geschichte und die damit verbundenen Schicksale auch anderen zugänglich zu machen.


Ralph-Ingo Stumpf

 

Der ehemalige Luftwaffenoffizier unterstützt die IG mit seinem Privatflugzeug, um bei Befliegungen der vermutlichen Absturzstellen wichtige Informationen aus der Luft für die Begehungen am Boden zu sammeln. Des Weiteren unterstützt er die IG durch seine weitreichenden Kenntnisse als aktiver Pilot und in den Bereichen der Luftkriegslehre und Flugzeugtechnik. Seit mehreren Jahren ist er auch in ähnlicher Funktion als ehrenamtlicher Pilot bei den Archäologen des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim tätig. Als passionierter Taucher (PADI-Divemaster) steht er der IG auch unter Wasser mit professionellem Rat und Tat zur Seite.


Helmut Schulte, Historiker

 

Als ehemaliger Berufssoldat ist mir das Thema von ungeklärten Kameradenschicksalen gleich welcher Uniform und Nationalität begegnet. Schon damals ließen mich diese Schicksale nicht los und für mich selbst stand fest, mich einmal der Aufklärung vermisster Soldaten zu widmen. Durch die IG Heimatforschung wird mir die Möglichkeit gegeben, dies nun aktiv mit Gleichgesinnten zu betreiben. Aufgrund meiner Erfahrungen während meiner Bundeswehrzeit, insbesondere der fachkundigen militärhistorischen Geländebegehungen im Hürtgenwald, möchte ich die Suche nach vermissten Soldaten dort unterstützen. Ziel hierbei ist es, den Hinterbliebenen eine Antwort auf das ungeklärte Schicksal eines geliebten Menschen zu geben.


Stefan Willms, Historiker

Dozent an der VHS Rur-Eifel

Zertifikat: Ausgebildeter Hürtgenwald-Guide
Verband: Mitglied im BVGD (Bundesverband der Gästeführer Deutschland e.V)
Vereinszugehörigkeit: Regio-Guides Nationalpark Eifel, Geschichtsverein Hürtgenwald e.V., Geschichtsverein Eschweiler e. V.
Führungen:
Römerzeit im Hürtgenwald, Mittelalter im Hürtgenwald, 2. Weltkrieg im Hürtgenwald inkl. Historisch-Literarische-Wanderwege.

 

Seit nunmehr 20 Jahren erforsche ich die Geschichte meiner Heimat - dem Hürtgenwald von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Einen Großteil der Arbeit macht dabei die Geschichte der  Schlacht im Hürtgenwald von Oktober 1944 bis Februar 1945 aus. In meiner Funktion als ortsansässiger "Historiker" unterstütze ich sowohl Studenten bei Geschichtsarbeiten, berate Geschichtsvereine aus der Umgebung, unterstütze Schriftsteller auf der ganzen Welt bei Arbeiten zum Thema Hürtgenwald und berate Regierungsstellen in Deutschland und den USA wenn es um die Klärung historischer Fragen zur Schlacht geht.    

Die Erforschung von Schicksalen vermisster Soldaten ist dabei ein großes und auch wichtiges Feld. Geht es doch darum, den Nachfahren der Soldaten auch 70 Jahre nach den Kämpfen Klarheit über den Verbleib ihrer Lieben zu bringen. Allein auf amerikanischer Seite gelten noch 201 Soldaten im Hürtgenwald als vermisst. Dem gegenüber stehen 171 Soldaten die auf diversen Soldatenfriedhöfen als unbekannte Soldaten bestattet sind. Man geht also heute davon aus, das noch 30 amerikanische Soldaten im Hürtgenwald geborgen werden müssen. Von deutscher Seite geht man von einer ähnlich hohen Zahl vermisster Soldaten aus. Damit möglich viele dieser Soldaten noch gefunden werden, arbeite ich aktiv mit der amerikanischen DPAA zusammen und bin deren Ansprechpartner im Hürtgenwald.

 

Mit der IG Heimatforschung habe ich nun einen Partner gefunden, der mit seinen Aktivitäten auch über den üblichen Tellerrand hinausblickt und dadurch viele Ansätze im gesamten Kontext überblickt. Gerade was die Forschung im Bereich vermisster Flugzeugbesatzungen angeht, hört die Forschung an den Grenzen unserer Bundesländer nicht auf. Genau wie der Himmel über uns, sollte auch unsere geschichtliche Arbeit keine Grenzen kennen.