Remembrance Day 2016, Bishop Monkton, Yorkshire (UK)

Übergabe Flugzeugteile Absturz Stirling EF129 Limburgerhof an Familie Renton (Großbritannien)

und Familie Harris (Neuseeland) 



Am Remembrance Day wird in den Commonwealth-Staaten den Toten der Weltkriege gedacht. 2016 wurde die Abstürzstelle des 1943 in Limburgerhof-Kohlhof abgestürzten Stirling Bombers EF129 gefunden und erfolgreich sondiert. Am 12. November 2016 reiste ich nach Großbritannien, um dort, auf Einladung der Familie Renton hin, am 13. November an der Remembrance Day-Feier teilzunehmen. Die Familie Renton (Valerie Renton, Sally Ann Linfoot, William Linfoot) sind Nachfahren des in Limburgerhof umgekommenen Besatzungsmitgliedes Sgt. Reginald James Renton.

 


Valerie Renton, die Tochter von Sgt. Reginald James Renton, hat sich unheimlich gefreut, als sie kurz vor Weihnachten 2015 hörte, dass wir die Absturzstelle ihres Vaters gefunden haben. Die Nachricht war wie ein „unerwartetes Weihnachtsgeschenk“, wie sie sagte. Von der siebenköpfigen Besatzung des englischen Stirling Bombers Code EF129 hat niemand den Absturz überlebt.

 

Flight Sergeant Leo Frederick Harris aus Neuseeland saß als Navigator im gleichen Flugzeug. Die Familie Harris wurde ebenfalls bei der Feier am Remembrance Day 2016 durch John Wheatley vertreten. Seine Tochter hat in die Familie Harris aus Neuseeland eingeheiratet. Wenn eine vergessene Absturzstelle gefunden wird, ist es eines der Ziele der IG, neben Flugzeugteilen, die die Stelle eindeutig identifizieren, auch persönliche Gegenstände oder Gegenstände zu finden, die man den Flugzeuginsassen zuordnen kann, und diese, nach Abstimmung mit den Behörden, den Familien überreicht werden können.  Im Fall von Sgt. Reginald James Renton hatten wir Glück, es wurde an der Absturzstelle ein Gegenstand gefunden, welcher in direkter Verbindung zu seiner Funktion als Bombenschütze an Bord stand.

 

Bomb Release Mechanism. Bedient durch Bombenschütze Sgt. Reginald James Renton
Bomb Release Mechanism. Bedient durch Bombenschütze Sgt. Reginald James Renton

 

Da die Übergabe der an der Absturzstelle gefundenen Kleinteile an die Familien vorher bereits mit den Behörden abgestimmt und abgeklärt war, konnte dieser Besuch gleichzeitig dazu genutzt werden, diese Kleinteile den Familien Renton- und Harris zu überreichen.

John Wheatley, als Vertreter der Familie Harris, wird im Dezember nach Neuseeland reisen und das Flugzeugteil dem Sohn von Navigator Leo Frederick Harris, der kurz nach dem Absturz 1943 in Limburgerhof geboren wurde und seinen Vater nie kennengelernt hat, überreichen.

 

Nachdem ich die Kleinteile für die Familie nach der Registrierung bei der zuständigen Behörde zurück erhalten hatte, ließ ich zwei Holztafeln und Gravurschilder mit den Namen und Daten zum Absturz anfertigen. Als alle restlichen Vorbereitungen getroffen waren und der Flug gebucht war, konnte die Reise, die leider nur ein Kurzbesuch werden würde, losgehen. Geplant war, dass ich am Samstagabend, den 12. November gegen 22:00 Uhr ankommen würde und am Folgetag, nach der Gedenkfeier und dem Lunch, um 17:30 Uhr wieder abfliegen würde. Und so geschah es.



Nach einer 1-stündigen Autofahrt nach Frankfurt kam ich am Park & Fly Parkplatz an, wo ich mein Auto abstellte. Von dort aus wurde ich zum Terminal gebracht. Da ich bereits im Vorfeld online eingecheckt hatte, hatte ich keine Wartezeit. Nach einer Zwischenlandung in Amsterdam kam ich um 21:50 Uhr örtlicher Zeit in Leeds-Bradford, North Yorkshire, an. Dort wurde ich von Valerie Rentons Tochter, Sally Ann Linfoot und ihrem Freund Phil abgeholt. Ca. 45 min später trafen wir auf dem Anwesen von Phil ein. Die Einfahrt zum Anwesen ließ einiges vermuten. Er ist Zahnarzt und besitzt ein großes, in den Vorkriegsjahren gebautes Anwesen, ein „mansion“, in Farnhill nahe Skipton/Harrogate. Bis tief in die Nacht hatten wir uns beim Genuß von englischen Pints und Snacks einiges zu erzählen. Von einem der vielen großen Wohnzimmer aus hatte man einen tollen Blick ins Tal hinein. Was für eine herzliche Familie und was für ein Willkommen. Einfach toll. Irgendwann wurde es dann doch Zeit ins Bett zu gehen und Phil zeigte mir mein „5-Sterne Zimmer“, von dem es dort acht Stück gab, voll ausgestattet. So groß war das Anwesen.

 

 

Am nächsten Morgen wurde ich geweckt und wir trafen uns im Esszimmer, wo schon ein echtes englisches Frühstück auf mich wartete. Dort traf ich auch Valerie (Sallys Mutter), die Tochter des Bombenschützen, Sgt. Regonald Renton, zum ersten Mal persönlich. Sie war ein kleines Mädchen, als ihr Vater damals in 1943 nach Mannheim flog und nie mehr zurückkam.


Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Bishop Monkton. Dort sollte um 10:30 Uhr der Gottesdienst in der sich dort befindlichen Kirche stattfinden. Wir trafen uns um 10:00 Uhr im Haus von Richard Field und seiner Frau. Richard hatte mir vor einem Jahr geholfen, Valerie Renton, die Tochter des Bombenschützen, zu finden. Ich hatte Richard damals angeschrieben, als ich nach Sgt. Reginald Renton im Internet forschte und auf seine Webseite stieß. Er hatte dort ein Foto des in Bishop Monkton vor der Kirche stehenden Kriegsdenkmals gepostet und wollte von seinen Lesern in der Gemeinde wissen, was  für eine Geschichte hinter dem Namen Sgt. R.J. Renton, Royal Air Force, steckt. Wir fanden heraus, dass es sich hier um die gleiche Person handelt, die 1943 in Limburgerhof mit dem Stirling EF129 abgestürtzt ist. Durch seine Recherchen vor Ort konnte die Familie Renton ausfindig gemacht werden und über den Absturz 1943 in Limburgerhof informiert werden. Nachdem wir von

Richard und seiner Frau herzlichst begrüßt wurden, machten wir uns nach einer Tasse Kaffee und „English Bisquit“ zu Fuß auf den Weg zur Kirche. Dort warteten schon William Linfoot, der Sohn von Sally Ann Linfoot und John Wheatley, der die Familie Harris aus Neuseeland vertrat. Was sofort auffiel war, dass William Sgt. Renton verblüffend ähnlich sieht. William, der dort an der Universität studiert, hat nach der Entdeckung der Absturzstelle wie er sagt, eine ganz andere und interessante Seite an seiner Familiengeschichte entdeckt. Für die Familie Renton und uns war die Reihe ganz vorne reserviert. In kürzester Zeit war die Kirche voll. Vor uns saß links und rechts der riesige Chor und hinter uns vermutlich das ganze Dorf und Besucher aus der ganzen Gegend, Veteranen, etc.  Nach einer sehr herzlichen Begrüßung durch zwei Pfarrer wurden wir der Gemeinde vorgestellt, und Einzelheiten und Ablauf zum Gottesdienst wurden erklärt.  



Ich platzierte die zwei Plaquetten in ihrem Behälter vorne auf einem Tisch. Diese sollten zuletzt, als Höhepunkt, den Familien überreicht werden. Nach mehreren Liedern und Reden der Pfarrer verließ die ganze Gemeinde die Kirche, um draußen, am Gedenkstein für die im Krieg Gefallenen, die Kränze und Kreuze niederzulegen, ein paar Worte zu sprechen und für eine 2-Minuten-Andacht. Danach ging die ganze Gemeinde wieder zurück in die Kirche. Dort wurde die Gemeinde durch den Pfarrer über die ganze Geschichte des Absturzes informiert, dass die Stelle durch die IG-Heimatfiorschung RLP gefunden wurde, wie die Familien gefunden wurden, die Übergabe der Plaquetten wurde angekündigt und dass in 2017 noch ein Gedenkstein an der Absturzstelle geplant ist. 

 

Dann wurde ich gebeten, meine Rede zu halten. Nach meinem „Good Morning“ hallte es in der ganzen Kirche ein lautes und kräftiges „Good Morning“ zurück. Nachdem ich mich vorgestellt hatte und zunächst Richard Field für seine Hilfe und den Rentons für die Einladung zur Gedenkfeier sowie die Einladung in ihr Haus bzw. Gastfreundschaft bedankt hatte, ging ich auf Einzelheiten zur Suche, Forschung und den noch geplanten Gedenkstein ein. Ich erzählte von meinem Großvater, der damals in den Niederlanden das Bombardement in Rotterdam und die Besatzungszeit hautnah erlebt hat und uns darüber erzählt hat. Er hörte und sah jahrelang immer wieder die Alliierten Bomber, die von England über Holland flogen, in Richtung Deutschland. Und jetzt wohne ich selbst dort in Deutschland nahe Ludwigshafen/Mannheim, mit BASF (ehem. IG Farben) als eines der damaligen Hauptziele, wo viele dieser Bomber abgeschossen wurden. Wir werden so viele Stellen wie möglich finden und sie bekannt machen. Nachdem ich mich nochmal bei allen bedankt hatte, gab es einen überwältigenden Applaus. Der Pfarrer hielt danach noch eine schöne Ansprache und bat dann die Familie Renton nach vorn. Drei Generationen der Rentons waren anwesend. Ich überreichte daraufhin Valerie Renton die Plaquette, was für die Familie ein sehr emotionaler Moment war. Danach wurde John Wheatly nach vorn gebeten und ich überreichte ihm die Plaquette für die Familie Harris aus Neuseeland, die er im Dezember nach Australien überführen und dem Sohn des Navigators überreichen wird.



Nach einem letzten Lied, einem Gebet und dem Dank der Pfarrer ging die Feier zu Ende. Zusammengefasst war es, für das recht kleine aber sehr feine Dorf, eine sehr bewegende und aufwändig gestaltete Remembrance Day-Feier. Mit, wie der Pfarrer sagte, einem ganz besonderen Link (tastbar) von der Vergangenheit in die heutige Zeit.  



William, Phil, Sally Ann, Valerie, John
William, Phil, Sally Ann, Valerie, John

Als die Zeit zum Gehen gekommen war, verabschiedete ich mich von Valerie, William und John Wheatley. John übergab mir eine Mappe mit Dokumenten, Logbuchkopien des in Limburgerhof umgekommenen Navigators Leo Frederick Harris. Diese hat er von der Familie Harris aus Neuseeland bekommen. Außerdem eine künstlerische Darstellung eines Stirling Bombers mit der gleichen Kennung (EF129 WP-Q) des in Limburgerhof abgestürzten Bombers. Es stellte sich heraus, dass der in Limburgerhof abgestürzte Bomber erst 9 Tage alt war, frisch aus der Fabrik, frisch ausgeliefert an die Truppe. John recherchiert schon länger nach EF129, war begeistert über den Fund der Absturzstelle und  plant eine Veröffentlichung seiner gesamten Recherchen. Jetzt habe ich ihm einen Teil des Rumpfes dieses Flugzeuges übergeben (Plaquette), die er in Kürze der Familie Harris, der Familie des Navigators von EF129, übergeben wird. Ein Kreis schließt sich.



Nachdem Sally Ann und Phil mich wieder zum Flughafen gebracht hatten, verabschiedeten wir uns und ich trat meine Rückreise an, über Amsterdam nach Frankfurt, wo ich in der Nacht ankam. Ich schaue zurück auf ein sehr eindrucksvolles Wochenende, an dem ich drei Generationen der Familie Renton und der Familie Harris aus Neuseeland kennenlernen durfte. Familien, die durch unseren Fund in Limburgerhof zusammengekommen sind. Und wieder zusammenkommen werden. Denn 2017 ist in Limburgerhof ein Gedenkstein an der Absturzstelle geplant. Und bei der Enthüllung und Einweihung werden auch Nachfahren dabei sein.                           

 

Erik Wieman


John Wheatley, Sally Ann Linfoot, William Linfoot, Erik Wieman
John Wheatley, Sally Ann Linfoot, William Linfoot, Erik Wieman