100 km / 24 Std - Spendenmarsch IG Heimatforschung Rheinland-Pfalz



Hundert Kilometer Wandern/Marschieren. Gesamtzeit: Unter 24 Std. Das war die Vorgabe. Dieses Jahr gab es knapp 13.000 wanderbegeisterte Teilnehmer beim weltbekannten,  jährlichen Extremmarsch namens „Dodentocht“, „Totenmarsch“, in Bornem, Belgien, nahe Antwerpen.  Der Marsch ist berüchtigt. Und das nicht ohne Grund. Fehler, sei es bei der Ausrüstung, Planung, Fitness, den Schuhen etc.  werden unterwegs schnell "bestraft". Auf einer Strecke von 100 km kann viel passieren. Je nach Wetterlage müssen immer sehr viele Teilnehmer aufgeben. Die IG Heimatforschung war dabei. Nicht zum 1. Mal.  Aber diesmal wollten wir die Teilnahme mit einem guten Zweck verknüpfen. Wir wollten die 100 km nutzen, um für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu werben und zu sammeln. Am 11. August 2017 war es dann soweit. Christian Matthes und ich selbst, Erik Wieman, wollten es wieder wissen. 


Trainiert hatten wir, wie immer, wieder ausreichend. Sieben Übungs- und Orientierungsmärsche, von 20-65 km in unserer Gegend um Ludwigshafen/Speyer, um  Ausrüstung, Schuhe, Kleidung- und Essroutine während des Marsches zu testen bzw.  noch minimal  anzupassen. Essen und Trinken muss man bei solchen Distanzen, auch wenn man keinen Hunger hat, immer und andauernd. Vorbauen. Denn sonst rächt sich das irgendwann auf der Strecke und man ist plötzlich irgendwann komplett „leer“,  die Muskeln versagen, es zeigen sich Ausfallerscheinungen, der Geist möchte nicht mehr. Die Reihenfolge ist bei jedem unterschiedlich.  Schlechtes Wetter, nasse Kleidung, reichlich Schlafmangel tun ihr  Übriges. Beim Üben in heimischen Gefilden trugen wir die Verpflegung am Mann. Beim Totenmarsch wird man perfekt versorgt. Gute Vorbereitung ist ein Muss. Aber entschieden wird der Marsch schließlich im Kopf. Die Übungsmärsche verliefen wie geplant und wir waren wieder maximal motiviert. Alles passte. Es konnte losgehen. 

Am Vortag, dem 10.08.2017  reisten wir an. Da wir sowieso gerne zelten, hatte ich wieder Plätze auf dem „Totenmarsch-Camping“ reserviert. Das verläuft immer problemlos. Nachdem wir unsere Zelte bzw. das „IG-Heimatforschungs-Lager“ aufgebaut hatten, war es erst mal Zeit uns am Lagerfeuer mit Musik einzustimmen. Außer 100 km-Marschierer waren auf dem Camping keine anderen Menschen da. Nur Wanderbegeisterte aus aller Welt, die die 100 km schaffen wollten. Jedes Jahr werden es mehr. Unglaublich was da los war. Im positiven Sinne. Immer wieder eine besondere Atmosphäre.  

 

Jetzt galt es, am nächsten Morgen lange auszuschlafen, denn der Marsch würde erst um 21.00 Uhr am Folgetag beginnen. Am Marschtag um 10:00 Uhr war der Geräuschpegel aber (wieder) so hoch, dass man zwangsläufig aufwachen musste. Aber ein wenig geschlafen hatten wir. Das musste reichen. 

Im Laufe des Tages wurden die Startunterlagen abgeholt und eine Tasche mit Wechselkleidung und Goodies für den 50 km-Punkt/Rast abgegeben. Diese sollten wir bei ca. 50 km wiederbekommen. Vorher noch ein kleines Nickerchen und eine Mahlzeit Nudeln, um den Körperspeicher komplett aufzufüllen (drei Tage vorher hatten wir schon angefangen, uns sehr „kalorienereich“ zu ernähren) und drei Stunden vor dem Start begaben wir uns im Marschoutfit in Richtung Startbereich.

 

Dort hieß es Warten. Hier holte ich zum ersten Mal meine Volksbund-Büchse heraus und befestigte sie mit einem Klettersport-Karabiner an meinem Brustgurt. Der Erste, der etwas spendete, war ein sehr netter Engländer. Der Anfang war gemacht. 




Um 21.00 Uhr ging es los. Bis zum nächsten Abend, 21.00 Uhr, hatten wir Zeit. Noch war es trocken. Das änderte sich nach unserer ersten richtigen Pause bei ca. 37 km. Zwischendurch hatten wir im Laufen Snacks gegessen und viel getrunken.

 

Am Anfang wollten wir Kilometer machen und ziemlich vorne starten. Wegen der großen Teilnehmermenge.  Stau wäre ungünstig. Da Raststationen/Kontrollstellen nur eine gewisse Zeit offen sind, muss man immer schauen, dass man die Kontrollstellen auch in der vorgegebenen Zeit erreicht. Kommt man zu spät, sind sie geschlossen. Das wäre es dann.  Diese „Öffnungszeiten“ der Kontrollstellen wurden durch die Organisation, gemäß einem normalen durchschnittlichen Wandertempo,  so berechnet, dass, wenn man sie im geforderten Zeitraum erreicht, man theoretisch die 100 km noch „packen“ kann. Wäre eine Kontrollstelle geschlossen, bestünde keine Chance mehr, die 100 km in der geforderten Zeit zu Fuß, rein rechnerisch, zu schaffen. Man wird herausgenommen und der Marsch ist automatisch beendet. Unser Plan ging wieder auf und wir kamen zügig durch, trotz vielen Teilnehmern auf der Strecke. 




Nach der Rast bei ca. 37 km lag die nächste größere Kontrollstelle bei 54 km. Dort holten wir unsere „50 km-Tasche“ ab und wir haben eine Nudelmahlzeit gekocht, unsere Oberteile wurden gewechselt und wir haben nochmal ausreichend getrunken. Dort konnte man schon sehen, es gab massig „Verluste“ auf der Stecke. Erste Hilfe Fahrzeuge, nasse schlafende/übermüdete  Teilnehmer, Verletzte, und viele Marschabbrecher (“Opgevers“). Die wurden automatisch mit Bussen zum Start zurückgefahren.

Als wir fertig waren hieß es, raus auf die Strecke. Da wir zeitlich gut gewirtschaftet hatten, konnten wir jetzt etwas gemütlicher laufen. Immer mit genug Karenz liefen wir alle Kontrollstellen bis 94 km in einem ruhigen Tempo ab. Unterwegs gab es teilweise interessante Momente. Einzelheiten werde ich hier auslassen. 100 km sind für viele Menschen einfach zu viel,   aber auf der anderen Seite auch eine Möglichkeit für Willensstarke, oder die, die es werden wollen, über sich selbst hinaus zu wachsen. Das sind die schönsten Momente. Wir waren  schon mal da. Wussten was kommt. Und hatten auch gut trainiert. Andere offenbar nicht und die hatten die 100 km unterschätzt. 

Unterwegs Marschteilnehmern meine Volksbund-Sammelbüchse hinzuhalten, wäre keine gute Idee gewesen.  Die meisten hatten wirklich ganz andere Sorgen. Die Zuschauer dagegen um so weniger. Die spendierten, je mehr Kilometer wir liefen, immer fleißiger.

 

Der Marsch näherte sich seinem Ende. Sechs Kilometer vor dem Ziel machten wir noch eine letzte Rast am letzten Kontrollpunkt, zusammen mit einer großen Gruppe von Menschen, Deutsche, englische und dänische Soldaten. Wir lagen auf einem Deich und es regnete nicht mehr.  Das Wetter war perfekt. Als ein Fünf-Euroschein eines Soldaten meine Büchse fand, ging es wieder  Schlag auf Schlag. 

Die letzten Kilometer. Das „Nur noch drei Kilometer to go“-Schild huschte an uns vorbei. Dann das „Noch 500 m“- Banner. Aufgebrachte Zuschauer standen links und rechts am Straßenrand. Das Ziel war am Ende der Fußgängerzone, an der Kirche, mitten im Zentrum. Gleich waren wir da. Nur noch höchstens zehn Meter zum Ziel. 



Ich hielt an und machte eine Ansage an das Publikum, in Niederländisch/Flämisch,Englisch und Deutsch: “Mein deutscher Kamerad und ich sind die 100 km gelaufen für die Kriegsgräberfürsorge. Wir würden uns über eine Spende sehr freuen“. Und schon ging es los. Scheine, Münzen. Eine ältere Dame, Nationalität unbekannt, rollte einen 20 Euro-Schein zusammen. Viele andere Scheine und Münzen verschwanden in meiner Buchse.



Nur noch wenige Schritte trennten uns von unserer Urkunde und Medaille. Ein sehr erfolgreicher Dodentocht-/Totenmarsch war fast wieder vorbei. Dann liefen wir durch das Ziel. Christian zum zweiten Mal, ich zum vierten Mal. Wir hatten es wieder gepackt. Das Wetter war naja. Regen, Wind, kaum Sonne, aber alles andere, die ganze Atmosphäre, war wieder einmalig.




Unterstützen auch Sie bitte den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die IG Heimatforschung tut es auch!



Heinrich Weickenmeier, Lehrer und Familienvater aus Waldsee, Feldwebel. Trotz Widerwillen zur Wehrmacht eingezogen. Seit dem 15.11.1943 vermisst nahe Witebsk, Weiß-Russland. Suchantrag wurde durch die Familie gestellt. Meine Familie. Wir hoffen, sein Grab wird bald gefunden. 



Erik Wieman


Nachtrag 100 km-Spendenmarsch

vom 10.09.2017:

Die verplombte Büchse wurde in den darauffolgenden Tagen nach dem Marsch der Kriegsgräberfürsorge Speyer übergeben.

 

Es wurde während des Marsches ein für uns unerwarteter Betrag von 250 Euro gespendet. Ein Spender, der erst im Nachhinein von der ganzen Aktion erfahren hatte, spendete spontan noch 50 Euro dazu, worauf sich der Gesamtbetrag auf insgesamt 300 Euro erhöht hat!

 

 

Obwohl es während der Pausen in der Nacht (kurz nach dem Start um 21.00 Uhr war es bereits dunkel) vereinzelt Spender gab, wurde der Löwenanteil ab ca. 70 km gespendet, also als es längst wieder hell geworden und der Marsch weit fortgeschritten war. Während der  letzten Kilometer und am Finish bei 100 km war die Spendenbereitschaft am größten!


Wir danken allen Spendern für dieses tolle Ergebnis! Vielen Dank auch an dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Speyer und dem Bezirksverband Rheinhessen Pfalz für die tollen Bücher und das sehr nette Dankesschreiben!                                                            Erik Wieman &  Christian Matthes IG Heimatforschung RLP