04.08.2018 - Gedenksteineinweihung Speyerdorf, Halifax DK165


Am 04.08.2018 wurde der Gedenkstein für die Besatzung von Halifax DK165 eingeweiht. Als die Stelle Ende 2016 gefunden (Phase 1), alle Familien der Besatzung erreicht (Phase 2) und die Stelle untersucht wurde (Phase 3), war es endlich soweit, den Gedenkstein zu enthüllen (Phase 4). Es war für alle Anwesenden ein sehr gedenkwürdiger Tag.

Um 10:00 Uhr trafen sich alle geladenen Gäste wenige Meter von der Absturzstelle entfernt auf dem dort befindlichen Waldparkplatz.  Von dort aus führte ein Weg direkt zur Absturzstelle. An beiden Seiten des Weges waren damals Flugzeugteile herunter gekommen und der Zufall will es, dass dieser Weg gleichzeitig die Grenze zwischen Hassloch und Neustadt, zwei verschiedene Zuständigkeiten, bildet. Der Gedenkstein würde auf der Neustadter Seite, an der primären und endgültigen Absturzstelle, wo auch damals das Cockpit lag, enthüllt werden.




Siebzehn Nachfahren waren aus Großbritannien und Kanada angereist. Mit einigen konnte bereits am Vortag, während eines Interviews mit einem englischen Fernsehsender, persönlich Bekanntschaft gemacht werden.

Für die Stadt Neustadt war der Oberbürgermeister, Herr Marc Weigel anwesend. Herr Weigel hat sich bereit erklärt, den Stein zu enthüllen, flankiert von der IG Heimatforschung Rheinland-Pfalz. Selbstverständlich war auch Frau Staab, Presseabteilung der Stadt Neustadt, anwesend. Wir hatten bereits im Vorfeld regen Kontakt und bekamen tolle Unterstützung.



Die Gemeinde Hassloch war mit dem 1. Abgeordneten, Herr Tobias Meyer, vertreten. Viele Sekundär-Trümmerstellen des Absturzes wurden auf der Hasslocher Seite gefunden. Somit waren beide betroffenen Gebiete bei der Gedenkfeier würdig vertreten.   

 

Die Royal Air Force wurde vertreten durch Defence/- and Air Attache Group Captain Roland Smith, Botschaft Berlin.  Sechs Insassen des hier abgestürzten Flugzeugs waren Soldaten der Royal Air Force.

 

Die Royal Canadian Air Force wurde vertreten durch Colonel Daniel Constable sowie Warrant Officer Diane Jalbert, Ramstein Air Command. Ein Insasse des hier abgestürzten Flugzeugs war Kanadier. Aber nicht nur die damalige allierte Seite war vertreten. Einst Gegner, heute versöhnt: Die Deutsche Bundeswehr wurde vertreten durch Oberstleutnant/Oberstabsarzt der Luftwaffe, Herr Dr. Ulrich Graf. 

 

Das Bistum Speyer wurde vertreten durch Pastor Herr Michael Paul, Pfarrei Heilig Geist, Geinsheim. Er würde den Stein weihen und segnen.   

 

Außerdem waren anwesend der stellvertretende Leiter der Polizei-Inspektion Neustadt, PHK Herr Helmut Landwich mit Ehefrau. Die Polizei wird bei Veranstaltungen wie dieser immer durch uns informiert. Bei so vielen VIPs und im Falle eine Falles muss die Polizei wissen, wo wir uns im Wald befinden. 



Die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), Amt Speyer  wurde verteten durch die Stellvertetende Leiterin der Außenstelle Speyer, Archäologin Frau Bettina Hünerfauth. Wir arbeiten bei allen Projekten sehr eng mit den Denkmalbehörden zusammen.  

 

Neben Zeitzeugen und Freunden der IG Heimatforschung waren, wie bei den letzten Steinsetzungen auch, der Dudelsackspieler, Pipe Major Mackenzie, sowie der Kornettist, Jan Rudolph, der für den „Last Post“ zuständig sein sollte, anwesend.  Zeitzeuge Herr Watta aus Hassloch, der uns die ungefähre Stelle am Anfang der Recherchen gezeigt hat, konnte leider nicht mehr anwesend sein. Er ist bedauerlicherweise in 2017 verstorben. Sein Sohn war jedoch bei der Zeremonie zugegen, ebenso Frau Kraus mit ihrem Sohn, das „kleine Mädchen vom Friedhof“. Sie hat der Besatzung ab 1943, als sie vorübergehend in Speyerdorf auf dem örtlichen Friedhof begraben wurden, bis zur Exhumierung nach dem Krieg, fast täglich Blumen auf die Gräber gelegt. Und als ich sie, rein zufällig, im Rahmen meiner Recherchen in 2017 auf dem Friedhof antraf und ansprach, kannte sie noch alle Namen der Besatzung auswendig, mit Dienstgrad. Die hatte sie sich damals aufgeschrieben und gemerkt. Außergewöhnlich. Das fanden auch alle Nachfahren der Besatzung und waren Frau Kraus sehr dankbar. 

Herr und Frau Watta                                                                           Herr Watta mit Schreiben der Nachfahren                                       Navigations-Utensilien Sgt. Williams



Die Presse war auch vor Ort vertreten mit Reportern vom Deutschen Fernsehen (SWR/ARD), englischen (Forces TV) und kanadischen Fernsehen (CTV): von Radio und Zeitung.  Ein kanadischer Presseoffizier der RCAF war eigens vom Hauptquartier in Belgien angereist. Der englische Reporter, der schon zum zweiten Mal bei einer unserer Gedenkveranstaltungen dabei war, kam eigens aus den Niederlanden angereist. 


Als alle Nachfahren und VIPs sowie geladenen Gäste auf dem Parkplatz eingetroffen waren, konnte es um kurz nach 10:00 Uhr losgehen. Auf das Kommando „Pipes Up“ begann Pipe Major Mackenzie zu spielen, drehte sich um und wir folgten. Wir liefen den Weg entlang, der quer durch die Absturzstelle lief. Dudelsackmusik begleitete uns bis zur letzten endgültigen Trümmerstelle, die Stelle, wo damals das Cockpit gelegen hat und wo jetzt der Stein enthüllt werden sollte. 

 

Als wir am noch mit der englischen Fahne verhüllten Gedenkstein angekommen waren, stand die Deutsche Bundeswehr bereits Spalier, links und rechts vom Stein. Ein Fahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes hatte ebenfalls Stellung bezogen. Bei erwarteten 35°C im Schatten und teils über 80 Jahre alten Teilnehmern wollten wir kein Risiko eingehen. Falls es jemand schlecht gegangen wäre wäre Hilfe sofort zur Stelle gewesen. 



Helfer der IG verteilten beim Einlauf kühle Getränke und alle Gäste nahmen Platz auf ihren Stühlen. Daraufhin begrüßte ich alle Anwesenden, alle VIPs individuell. Auf den Stühlen befand sich für jeden  Teilnehmer eine Veranstaltungsmappe mit dem Programm und den Reden der Amtsträger und der Nachfahren  in Deutsch und in Englisch. So konnte jeder jederzeit mitlesen, egal welche Sprache der Redner gerade sprach. 



Nach der Begrüßungsrunde übergab ich an Peter Berkel, Mitgründer der IG. Er stellte unsere Interessengemeinschaft bzw. Gruppe kurz vor, erläuterte die verschiedenen Phasen unserer Arbeit und unsere Ziele. Anschließend übergab er an den 1. Redner, Oberbürgermeister Herr Marc Weigel. Nach Herrn Oberbürgermeister Weigels Rede wurde der Gedenkstein durch Herrn Weigel, zusammen mit der IG-Heimatforschung, enthüllt. 



Daraufhin gab ich das Wort an Pastor Herr Michael Paul, der den Stein während eines kleinen Feldgottesdienstes weihte und segnete. 

 

Anschließend folgten Reden von Group Captain Smith (RAF), Colonel Daniel Constable (RCAF), Oberstabsarzt Herr Dr. Graf (BW) und den Nachfahren, Herr Kenneth Webb, Namensvetter und letzter Nachfahre des Piloten Sgt. Kenneth Webb, Herr Andrew Braybrook, Nachfahre des  Flugingenieurs,  Sgt. Stanley Braybrook, Frau Christine Boylin, Nachfahre von Flight-Sgt. Geoffrey Brown, Herr Huw Williams, Nachfahre des Navigators, Sgt. Kenneth Williams und Herr Steve Mitchell, Sohn des einzigsten Überlebenden des Absturzes, des Bordschützen Sgt. Leslie Mitchell. Die sehr bewegenden Reden machten auf alle einen großen Eindruck. 


Anschließend gab es die Gelegenheit, bei musikalischer Begleitung des Dudelsackspielers Pipe Major MacKenzie, Blumen und Kränze niederzulegen. Aber nicht nur die verunglückten Flieger wurden geehrt. Auch Frau Kraus, „das kleine Mädchen vom Friedhof“, die damals über Jahre, in Kriegszeit und danach,  Blumen auf die Gräber gelegt hatte, bekam nun selbst Blumen. Von den Nachfahren der Besatzung, von der Familie des verstorbenen Piloten von Halifax DK165, Kenneth Webb, überreicht. 



Anschließend folgte die letzte Rede des 1. Beigeordneten der Stadt Hassloch, Herr Tobias Meyer. Als auch seine sehr einfühlsame Rede beendet war, las ich alle Namen der am Absturz beteiligten Flieger vor, und kündigte den „Last Post“ an. Die Bundeswehr trat formal an, und es erfolgte der „Last Post“ für die Gefallenen von dem Kornettisten, Jan Rudolph. 



Nach diesem Höhepunkt war der offizielle Teil der Gedenkfeier beendet. Die Absturzstelle wurde vor Ort erläutert, Fundstücke von der Absturzstelle, die, mit englischen und deutschen Erklärungen versehen, begutachtet werden konnten (Panzerplatten, ein Startermotor und andere Motorteile), wurden interessiert von den Anwesenden betrachtet. 


Für alle anwesenden Familien hatten wir ein Holzkästchen mit Widmung vorbereitet, mit teils persönlichen Fundstücken und Flugzeugteilen, die den Familien übergeben wurden. Im Holzkästchen waren diese Fundstücke in eine englische Fahne gewickelt. Die Familie des Piloten erhielt zB.  Fragmente von Cockpitinstrumenten, Cockpitteile. Der Familie des Navigators wurden Artefakte übergeben, die dem Navigator direkt zugeordnet werden konnten, die er damals bei diesem letzten Flug tatsächlich benutzt hat und welche an der Absturzstelle wiedergefunden wurden. Die anderen Familien erhielten gleichwertige Artefakte, eine letzte tastbare Erinnerung an ihre verstorbenen Familienmitglieder. 


Der Militärattache und Vertreter der RAF, Group Captain Roland Smith bekam auch noch ein Andenken überreicht, worüber er sich sehr freute. Da die Royal Air Force dieses Jahr 100 Jahre existiert (1918-2018) und er uns nach 6 Jahren Dienst in der Botschaft in Berlin verlässt und wieder zurückgeht/zurückversetzt wird nach Großbritannien, wurde ihm durch die IG Heimatforschung eine Holztafel mit deutschen und englischen Flugzeugteilen überreicht, unter dem Motto “The Allied Forces – Navigating on the Road to Peace“. Diese Tafel enthielt ein deutsches Flugzeugfragment einer Me109, in der der Pilot im 2. WK ums Leben kam. Ein zweites Flugzeugfragment stammte von Halifax DK165, von der Besatzung, wegen der wir uns an diesem Tag an dieser Stelle versammelt hatten und bei dem Absturz alle bis auf 1 Mann ums Leben kamen. Das dritte Teil, ganz oben auf der  Tafel montiert, stammte ebenfalls von Halifax DK165. Es war ein Fragment des Navigationscomputers von DK165, auf dem man noch deutlich „ True Course“ lesen konnte. Deshalb: „Die alliierten Truppen, navigierend auf dem Weg zum Frieden“ im Zweiten Weltkrieg (Motto “The Allied Forces – Navigating on the Road to Peace“).  


Aber auch wir wurden beschenkt: Wir, Peter Berkel und ich, erhielten beide ein tolles Geschenk, ein schweres Flugzeugmodell eines Spitfires, auf Holz montiert, samt Widmung von den Nachfahren, worüber wir uns sehr freuten. 


Nachdem anschließend noch einige Gruppenfotos genommen wurden, die Nachfahren etwas Sand an der Absturzstelle entnommen hatten, um diesen mit nach Hause zu nehmen und die Presse einzelne Teilnehmer interviewt hatte, stand der Rückmarsch zum Parkplatz an. Pipe Major MacKenzie begleitete uns auch bei diesem Fußmarsch wieder mit Dudelsackmusik. Am Parkplatz angekommen, fuhren wir in der Kolonne nach Neustadt a.d. Weinstraße. 




Zunächst wurde vor dem Rathaus ein Gruppenbild gemacht, danach ging es zum Restaurant „Zur Post“, unweit des Rathauses, in das der Oberbürgermeister alle VIPS eingeladen hatte.  Bei gutem Essen und gemütlichem Beisammensein wurden  Freundschaften geschlossen, eine „neue Familie“ fand zusammen. Die Familie von Halifax DK165. Verbunden durch dieses tragische Ereignis in 1943, versprachen alle, Kontakt zu halten. Auch hier geht die Geschichte für die Familien, die Nachfahren der Besatzung, weiter, und endete nicht in 1943, im Wald bei Speyerdorf. 


Wie Kenneth Webb, der einzigste noch lebende Nachfahre des gleichnamigen, an der Absturzstelle verstorbenen Piloten, Kenneth Webb, schon sagte: „Wenn Ken uns hier von oben zuschauen kann, wird  er sich unheimlich darüber freuen, dass alle Familien von DK165 sich hier an der Absturzstelle zum ersten Mal zusammengefunden haben, und zukünftig weiterhin Kontakt pflegen“. Davon ist er überzeugt.                                      

                                                                                                                                                                     Erik Wieman



Update Oktober 2018: 

Ein Dankeschön aus Großbritannien: The Halifax DK165 Memorial Seat! 

Eine Sitzbank am Gedenkstein in Speyerdorf.