Absturz Halifax DK165 MP-E zwischen Haßloch-Speyerdorf


76 Squadron Royal Air Force


In der Nacht vom 16. zum 17. April 1943 führte Bomber Command mit 598 Bombern einen kombinierten Luftangriff auf die Städte Mannheim und Plzen/Pilsen (Tschechien) durch. 271 Flugzeuge wurden gegen Mannheim eingesetzt (Operation „Chub“). 327 Flugzeuge, ca. 2300 Mann, Halifax Dk165 inklusive, sollten die Skoda-Werke in Pilsen angreifen (Operation „Frothblower“). Da die Pathfinder, die das Ziel in Pilsen markieren sollten,  versehentlich das falsche Ziel markierten, wurden die Skoda-Werke nicht getroffen. Statt dessen fiel ein Großteil der Bomben auf eine psychiatrische Einrichtung, wo es viele Verluste gab. Auch bei den alliierten Flugzeugbesatzungen gab es viele Verluste durch Nachtjäger und Flak. 


    DK165- Absturzstelle zwischen Haßloch and Speyerdorf (Privatalbum)                   DK165- Absturzstelle zwischen Haßloch and Speyerdorf (Privatalbum)      


Auf dem Rückweg wurde die Halifax DK165 vom 76. Squadron RAF nahe Haßloch/Lachen-Speyerdorf durch Ofw. Stöber 9./NJG101 abgeschossen. Die Besatzung des Bombers setzte sich folgendermaßen zusammen: Sgt. Kenneth Ernest Webb (Pilot), Sgt. Kenneth Rees Williams (Navigator), Allen Roderick Ross (Funker/Schütze), Sgt. Stanley Braybrook (Flugingenieur), Sgt. Jack Kay (Bombenschütze), F/Sgt. Geoffrey Brown (Heckschütze), F/Sgt. Leslie Bernard Mitchell (Turmschütze).




                Sgt. Webb (Pilot)                 Sgt. Braybrook (Flugingenieur)             F/Sgt. Ross (Funker)                 F/Sgt. Brown (Heckschütze)


Nach dem ersten Treffer schickte Pilot Webb den Turmschützen, Leslie Bernard Mitchell, nach hinten, um nach dem Heckschützen Brown zu schauen, weil dieser über die Sprechanlage (intercom) nicht mehr antwortete. Als Mitchell hinten ankam, stellte er fest, dass die Heckkanzel von Heckschütze Brown praktisch weggeschossen war. Im gleichen Moment gab es eine Explosion unter der Turmkanzel, wodurch das Flugzeug auseinander brach. Mitchell stürzte mit dem Heckteil, welches erstaunlicherweise wie ein Blatt heruntertrudelte, ab. Das Heckteil wurde zum Glück beim Aufschlag durch Bäume gebremst. Mitchell überlebte. Als Einziger der siebenköpfigen Besatzung. Da er eingeklemmt war, machte er durch Hilferufe auf sich aufmerksam. Als Erster waren Zivilisten an der Absturzstelle. Sie gaben ihm eine Zigarette bis die Luftwaffe vom Flugplatz Lachen-Speyerdorf ihn abholte. Er wurde in Kriegsgefangenschaft überführt.


                                                                      DK165- Absturzstelle zwischen Haßloch and Speyerdorf (Privatalbum) 


Knapp zwei Jahre später, am 08. Februar 1945, flüchtete Leslie Mitchell aus einer Marschkolonne, als Stalag Luft IV, wo er bis dahin inhaftiert war, evakuiert wurde und er in ein anderes Lager verlegt werden sollte . Er wurde aber zwei Wochen später wieder gefasst. Mitchell überlebte als einzigste Besatzungsmitglied den Krieg. Der Rest des Flugzeugs kam in einiger Entfernung in Teilen herunter. An der Hauptabsturzstelle wurden bei Morgengrauen am 17. April 1943 die anderen Besatzungsmitglieder in und neben dem Flugzeugwrack gefunden. 



                                                                        DK165- Absturzstelle zwischen Haßloch and Speyerdorf (Privatalbum)                       


Die Stelle wurde durch die IG-Heimatforschung Ende 2016 lokalisiert, nachdem die Forstbehörde sowie die Denkmalbehörde eine Nachforschungsgenehmigung befürwortet hatten. Erste Flugzeugteile aus Aluminium, Eisen sowie Munition wurden geborgen. Die Munition wurde vom Kampfmittelräumdienst Räumgruppe Worms abgeholt. Die Nachforschungen vor Ort werden in 2017 intensiviert. Mittlerweile wurden bereits fünf Familien der Besatzung in Großbritannien und Kanada erreicht und über den Fund der Absturzstelle und unser Vorhaben, das Realisieren eines Gedenksteins nach Abschluss der Sondierung, informiert.


Kampfmittel wurden durch KMRD - Kampfmittelräumdienst Räumgruppe Worms abgeholt und ordnungsgemäß entsorgt.


Nachfahrensuche in Kanada und Großbritannien

Nachfahren von Sgt. Ross (links) wurden in Kanada, Nachfahren von Sgt. Webb (rechts) wurden in Großbritannien gefunden.

       Sgt. Stanley Braybrook                                                                            Andrew Braybrook, Nachfahre von Sgt. Stanley Braybrook.


Links: Anzeige Treibstoffschalter, Fundort DK165 Haßloch-Speyerdorf. Rechts: Beispielbild.





Über die Verwandten des Piloten Kenneth Webb wurde ebenfalls Kontakt gelegt zu Peter Cunliffe, Historiker und Autor von „A Shaky Do“, das wohl detaillierteste und am besten recherchierte Werk über den Angriff auf die Skoda Werke am 16./17. April 1943 überhaupt. Im Zuge der Nachforschungen besteht mit allen Verwandten und Beteiligten ein reger Austausch über neu gewonnene Erkenntnisse.                                                               

 

FORTSETZUNG FOLGT - TO BE CONTINUED!                                                                                               Erik Wieman


28.01.2017: Nachfahren von Sgt. Kenneth Rees George Williams, Navigator DK165, in Großbritannien erreicht!


05.02.2017

Navigations-Zirkel sowie Fragment von Sgt. Williams Navigationscomputer gefunden!

 








 

Mittlerwerweile (Stand 17.10.2017)

wurde Kontakt aufgenommen mit Nachfahren von:

 

 

-Sgt. Kenneth Ernest Webb (Pilot), KIA

 

-Allen Roderick Ross (Funker/Schütze), KIA

 

-Sgt. Stanley Braybrook (Flugingenieur), KIA

 

-F/Sgt. Geoffrey Brown (Heckschütze), KIA

 

-F/Sgt. Leslie Bernard Mitchell (Turmschütze), POW

 

-Sgt. Kenneth Rees George Williams (Navigator), KIA

 

-Sgt. Jack Kay (Bombenschütze), KIA