Messerschmitt Bf-110 F4, W.-Nr. 4805 Absturzstelle Haßloch

Absturzstelle Messerschmitt Bf-110 nahe Haßloch/Pfalz gefunden, Pilot (96) ausfindig gemacht!

 


Unmittelbar bevor in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1943 Nürnberg angegriffen wurde, flog Flugzeugführer Uffz./Unteroffizier Edmund Schmitz, zusammen mit seinen Kameraden, Bordschütze/Bordmechaniker Uffz. Friedrich Pospeschill und Bordfunker Uffz. Hans Weinmeyer, im Nachtjäger vom Typ Messerschmitt Bf-110 F4, von einem Flugplatz in Frankreich los, um den Bomberstrom, der gerade an Ludwigshafen am Rhein vorbei flog, abzufangen.

Zeichnung der letzten Minuten seines letzten Fluges auf Basis der Zeugenaussage von Herrn Edmund Schmitz

Bei diesem Einsatz wurde das Flugzeug von Uffz. Schmitz abgeschossen. Alle drei Insassen konnten abspringen, aber nur zwei überlebten den Absprung. Heute gibt es nur noch einen Überlebenden, den Piloten Hr. Schmitz. Er ist 96 Jahre alt.



Nach Auffindung und Identifizierung der Absturzstelle haben wir Herrn Schmitz ausfindig gemacht, ihn besucht und ihm erste Teile seines Flugzeugs gezeigt. Herr Schmitz (96) und Frau Schmitz (93) konnten es kaum fassen.  Wir haben uns lange unterhalten und wir durften alle Fotos, Hintergrundinformationen zum Absturz und Werdegang von Herrn Schmitz  dokumentieren, was das Ganze ebenfalls sehr besonderes macht und das Gesamtbild einmalig vervollständigt. 

 

Herr Schmitz schildert die letzten Minuten vor dem Absturz so: „Von weitem sah ich schon die Scheinwerfer, die über Ludwigshafen und Mannheim den Himmel absuchten. Plötzlich war ich direkt hinter denen, hinter den Bombern. Ich sah den Riesenschatten eines alliierten Lancaster Bombers und feuerte. Der Lancaster fing an zu brennen und löste sich nach links aus dem Verband. Fast zeitgleich erfolgte ein lauter Knall in meinem rechten Motor. Flammen wurden sichtbar. Wir waren getroffen. Durch was kann ich nicht genau sagen. Vielleicht war es ein Heckschütze eines englischen Bombers, Begleitschutz, eigene  Flak*, ich weiß es nicht.“



Fragment Kühlergehäuse rechts
Fragment Kühlergehäuse rechts

„Ich löste mich mittels Sinkflug aus dem Feindkontakt und befahl meinen beiden Kameraden auszusteigen. Fieberhaft  versuchte ich das Flugzeug stabil zu halten. Als ich kurz danach bemerkte, dass ich alleine war und alle gemäß meinem Befehl ausgestiegen waren, verließ auch ich mein mittlerweile ziemlich steil runtergehendes und kaum noch zu kontrollierendes Flugzeug. Ich schlug mein Bein beim Ausstieg am linken hinteren Leitwerk an und taumelte hinunter in die Nacht. Es war plötzlich so ruhig als ich am Fallschirm hing. Ich  landete nahe Iggelheim. Mein Bein war gebrochen, aber ich lebte noch. Auch Hans (Weinmeyer) hatte Glück. Er landete unversehrt. Friedrich (Pospeschill) hatte weniger Glück. Er wurde am Tage nach dem Absturz in Haßloch am alten Sportplatz tot aufgefunden. Ohne Fallschirm. Warum er keinen Fallschirm bei sich hatte, ist mir bis heute noch ein Rätsel. Dieser steckt vielleicht noch im Wrack.“

 

Edmund Schmitz wurde zunächst von einer Familie aus Haßloch aufgenommen und gepflegt, bis er ins Lazarett kam. Die Luftwaffe ließ eines Tages einen Chirurgen aus Frankreich kommen, der sein kaputtes Bein fachmännisch operierte. Es ist diesem Chirurgen zu verdanken, sagte er, dass er heute wieder normal gehen kann.





Hans Weinmeyer überlebte den Absturz, wurde aber später im Krieg abgeschossen und kam ums Leben. Dass es heute noch möglich ist, dem Piloten Edmund Schmitz, 74 Jahre nach dem Absturz, Teile seines Flugzeugs zu zeigen und ihn über die genaue Absturzstelle zu informieren, ist für uns ein ganz besonderer Fall.



Die Absturzstelle ist gefunden, erste Funde wurden gemacht, die Stelle wurde durch die GDKE Außenstelle Speyer/GDKE Außenstelle Koblenz registriert, und evtl. weitere Maßnahmen finden in Absprache mit den zuständigen Behörden und Eigentümern des Flugzeuges/Grundstücks statt. Herr Schmitz würde jedenfalls sofort vorbeikommen: "Ich bin jetzt 96 Jahre alt. Dass ich das noch erleben darf. "                                                                                                                               Erik Wieman



* trotz Schießverbot wenn Nachtjäger im Einsatz waren